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Frauen schreien, Gewehrsalven
tönen, Soldaten lachen: Im Kosovo geht's rund. Die Mitglieder einer
amerikanischen Elite-Einheit beobachten, wie serbische Guerilleros Zivilisten
quälen, vergewaltigen, töten. Einer der Ami-Spezialisten, Aaron
(Benicio del Toro), dringt bis zum Kommandeur der Landsknechttruppe vor
und schneidet ihm die Kehle mit einem Messer durch. Dafür bekommt er
später einen Orden - und kann abends nicht mehr schlafen, weil er von
brennenden Kriegskulissen träumt.
Jahre später
werden zwei Jäger im Nordwesten der USA im Wald ermordet, ihre Körper
wurden verstümmelt. Die örtliche Polizei informiert die Staatspolizei,
diese engagiert den eigenbrötlerischen Fährtensucher L. T. (Tommy
Lee Jones). Der spürt den Urheber auf: Es ist sein ehemaliger Schüler
Aaron, der Serbenschlitzer, der im Wald lebt und seinen Messerfetisch
pflegt. Nach einem heftigen Kampf, bei dem L. T. mit dem Rückgrat
gegen einen Baumstamm knallt, gelingt es der Polizei, Aaron festzunehmen.
Im Verlauf des restlichen
Films wird Aaron ständig von Polizisten, Geheimdienstlern und Militärs
gejagt - vergeblich. Der einzige, der ihn immer wieder aufspürt,
ist L. T., der bierbäuchige Alte braucht im Gewimmel der Großstadt
bloß angestrengt auf den Asphalt zu blicken, schon weiß er,
wohin sein Eleve entfleucht ist. Aaron macht aus den Leibern seiner Verfolger
Aufschnitt, zwischenzeitlich besucht er seine Freundin und deren Kind:
Der Besuch im Vorort-Haus der Frau dient als Kulisse für einen Hechtsprung
aus dem Fenster, während ihm die Chef-Polizistin (Connie Nielsen)
die Knarre vor die Nase hält.
Regisseur Friedkin
gelangen mit Der Exorzist und Leben und Sterben in L.A.
zwei Meisterwerke des amerikanischen Genre-Kinos. Die Stunde des Jägers
lässt sich schwer einem Genre zuordnen: Kriegsfilm? Action-Film?
Polizei-Film? Psychothriller? Oder gar Horrorfilm? - Aaron versteckt sich
gerne im Dunkeln, durchmanscht ordentlich in den Körpern seiner Gegner.
Die Figuren erscheinen blass: Aaron tötet mit dem Messer, weil er's
gelernt hat und sich kein anderes Lebensziel zu setzen vermag. L. T. fühlt
sich schuldig, weil er Aaron die Messerstecherei beibrachte. Die Frauen
dienen als Staffage, weil in einem amerikanischen Film halt irgendwelche
Weibsleute umherlaufen müssen.
Benicio Del Torro,
Oscar-Gewinner (Traffic) und charismatischer Mexikaner-Darsteller,
wird durch ein dröges Drehbuch daran gehindert, einen Menschen darzustellen,
der sich gegen die Menschheit entschieden hat. Gegenpart Tommy Lee Jones
wirkt ebenso unglaubwürdig, im Film steckt er Schnitte, Tritte und
Prellungen ein, die ganze Football-Mannschaften auf die Intensivstation
eines Krankenhauses bringen würden. Jones pflegt seine Knittermiene,
schnüffelt am Dreck und sehnt sich nach seiner kanadischen Waldhütte.
Warum tötet Aaron?
Wovor flieht er? Ein von Alpträumen geplagter Mensch sollte irgendeine
Sehnsucht erkennen lassen. Fehlanzeige: Aaron tötet, und sonst nichts.
Aaron ist, weil er tötet - und weil Regisseur Friedkin nichts Besseres
eingefallen ist. Die Kamera hetzt hinter ihm her, zeigt den suchenden
Jones, die Polizeibrigaden, Autoverfolgungsjagden, Schießereien
aus sicherer Distanz.
Auf dem Höhepunkt
des Films schmiedet der erschöpfte Aaron ein Messer, während
er von Hundertschaften verfolgt wird. Sein einziges Werkzeug: ein rostiges
Stück Metall von einem Schrottplatz. Bei solchen Wundertaten wirkt
selbst die Hochhausakrobatik von Spider Man läppisch. Wär er
nur mal bei Tommy Lee »Waschbärbauch« Jones in die Lehre
gegangen!
Peter Kusenberg
The
Hunted - Die Stunde des Jägers. Regie: William Friedkin. Darsteller:
Tommy Lee Jones, Benicio Del Toro, Connie Nielsen.
Kinostart: 24. April 2003
Ich
behalte mir alle Urheberrechte vor, Verwertung meiner Texte nach Rücksprache.
Auskunft: mail@peterkusenberg.de
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