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Herr Wichmann von der CDUBrömme in Brandenburg |
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Vor der Bundestagswahl 2002 erfreuten Filmbeiträge über den fiktiven CDU-Kandidaten Dr. Udo Brömme die Zuschauer der Harald Schmidt Show. Autor Ralf Kabelka dünn, hektisch, halbgebildet verkörperte den dynamischen CDU-Mann derart überzeugend, dass sogar Spitzenpolitiker seine Hand schüttelten, ihm viel Erfolg im Wahlkampf wünschten. Henryk Wichmann, Protagonist in Andreas Dresens Dokumentarfilm Herr Wichmann von der CDU, ähnelt der Kunstfigur Brömme wie eine Stoiber-Wahlkampfrede der anderen. Der 25jährige Jurastudent kandidiert in der brandenburgischen Uckermark, einem abgelegenen Kreis im äußersten Nordosten Brandenburgs. Beherrscht wird das Land von der SPD unter ihrem Spitzenkandidaten Markus Meckel, über den Wichmann wiederholt sagt: »Das einzige, was Meckel für die Region tut, ist einmal im Jahr mit dem Fahrrad durch die Gegend zu fahren.« Wichmann hat sich zum Ziel gesetzt, mindestens 30% für die CDU zu holen 10 % mehr als bei der Wahl im Jahr 1998.
Andreas Dresen erfreute die Kritiker im Jahre 1994 mit dem Dokumentarfilm Halbe Treppe, Herr Wichmann von der CDU zeigt den Wahlkampf des unermüdlichen Titelhelden, ohne Wichmann zu denunzieren. Kameramann Andreas Höfer stellt in einfachen Bildern dar, wie der CDU-Kandidat für »frischen Wind« sorgen möchte, während er versucht, einen CDU-Schirm gegen den brandenburgischen Wind zu platzieren. Mit einer sympathischen Naivität bemüht sich Wichmann darum, seine gemeinplätzigen Wahlkampfparolen an die Uckermärker zu bringen. Er schimpft auf die Grünen, die verhindern, dass sich neue Betriebe in der Region ansiedeln, »weil dann irgendwelche Frösche beim Laichen gestört werden«. Wichmann steht auf Plätzen, verteilt Handzettel; er besucht Altenheime, Kleinunternehmen, Parteisitzungen. Unermüdlich fährt er mit seinen Plakaten durchs Land, wie ein Kind freut er sich, als er die neugedruckten DIN-A1-Plakate betrachtet: »Da wird Meckel Augen machen!«
Die Kamera wirft behutsam scheue Blicke ins Privatleben des Protagonisten. Einmal sitzt er mit seiner Freundin auf der Couch, sie verfolgen Edmund Stoibers Auftritt bei ARD-Moderatorin Sabine Christiansen. Die Freundin versucht, sich an Wichmann zu kuscheln, der drängt sie fort: Gebannt starrt er auf den Monitor, als würde dort mehr gesagt als inhaltsloses Wahlkampfblahlah. Die Kamera bleibt überwiegend ruhig, gedreht wurde zumeist mit Stativ, was die Ruhe des provinziellen Lebens, den Fatalismus der meisten Bewohner, unterstreicht.
Während der 75 Minuten kommt keine Langeweile auf, die Wiederholung der immergleichen Wahlkampfsituation verstärkt ihre Komik. Dresen drehte an verschiedenen Schauplätzen, Kommentare der Bewohner und störende Windböen beim Aufbau des CDU-Stands, machen Wichmann zu einem drolligen Sisyphos, seine naive Begeisterung wirkt erstaunlich, mitunter lustig. In einer Szene steht Wichmann mit seinem Stand auf einem Volksfest, genau neben ihm tanzen halbnackte Frauen zu stupider Techno-Musik. Die Leiterin der Tanzgruppe bittet Wichmann, seine Handzettel woanders zu verteilen, er vertreibe potenzielle Zuschauer. Wichmann lenkt ein, an anderer Stelle kämpft er stoisch weiter mit seinem Slogan: »Frischer Wind bringt Bewegung in die Politik«.
Peter Kusenberg Herr Wichmann von der CDU. Regie: Andreas Dresen. Darsteller: Henryk Wichmann, Rebecca Simon. Kinostart: 10. April 2003. Webseite: www.herrwichmann.de.
Ich behalte mir alle Urheberrechte vor, Verwertung meiner Texte nach Rücksprache. Auskunft: mail@peterkusenberg.de
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