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Zum 30jährigen Todestag von Bruce Lee

Weltmeister der Handkantenschläge


Am 20. Juli 1973 starb der Schauspieler, Martial-Arts-Künstler und Regisseur Bruce Lee im Alter von 32 Jahren. Der in San Francisco geborene Star des damals jungen Hongkong-Kinos trat in rund einem Dutzend Filmen auf, in denen Lee seinen perfekt anmutenden Körper als Kampfmaschine inszenierte, ohne Double und technische Nachbearbeitung.

Bruce Lee wurde am 27. November 1940 unter dem Namen Li Chen-fan in San Francisco geboren, als Sohn eines chinesischen Opernsängers und einer Euro-Amerikanerin. Im folgenden Jahr zog die Familie nach Hongkong. Der kleine Bruce begeisterte sich früh für die darstellenden Künste: Als Jüngling übernahm er Nebenrollen in Action-Filmen und gewann die Cha-Cha-Cha-Meisterschaften von Hongkong. 1958 kehrte Lee zurück in die USA, er schrieb sich an der Washingtoner Universität ein, studierte dort Philosophie. Seine große Leidenschaft blieb der Kampfsport: Unter dem Namen Jeet Kune Do entwickelte Lee einen eigenen Kampfstil, der in speziellen Schulen gelehrt wurde. Hollywood-Star James Coburn drückte in einem Lee-Institut die Schulbank, dort lernte er, wie er diese wirkungsvoll zertrümmert und seinen Filmgegnern Hard Times bereitet - so ein Filmtitel aus dem Jahre 1975, in dem Coburn eine der Hauptrollen spielt.

In den 70ern animierten die von Bruce Lee gespielten Filmfiguren Millionen von pubertierenden Jungen in aller Welt, eine fernöstliche Kampfsportart zu erlernen - und ihre Mitschülerinnen mit stimmbrüchigen Kampfschreien zu umbalzen.

Als einer der besten Filme Lees gilt Die Todeskralle schlägt wieder zu, der im Jahr vor seinem Tod gedreht wurde. Der Zweikampfexperte Tang Lung (Bruce Lee) aus Hongkong hilft seinem Großonkel in Rom, das Familien-Restaurant gegen ein Gangstersyndikat zu verteidigen. Die Gangster haben keine Chance gegen Tang Lung, mit Tritten, Knüffen, Schlägen und Kettenstangen vermöbelt er allein ein halbes Dutzend der tumben Schurken. Daraufhin engagiert der Gangsterboss den amerikanischen Kung-Fu-Meister Cord (Chuck Norris), der Hüne soll den kleinen Störenfried aus Hongkong beseitigen. In den Ruinen von Rom treffen beide zum Showdown aufeinander. Bevor sie den Todeskampf beginnen, entblößen sie ihre Oberkörper: Unter dem Kittel des Zweizentnermannes Norris wuchert Kräuselgestrüpp brauner Haare oberhalb einer harten Cowboywampe. Lees Körper, halb so voluminös wie der seines Gegners, besteht aus Sehnen und Muskeln, die fest von karamellfarbener glatter Haut bedeckt werden. Anders als ihre stoischen Berufskollegen des Western-Genres, wärmen die beiden Kung-Fu-Kämpfer ihren Körper auf, lassen die Knöchel knacken, strecken und beugen abwechselnd die Bizeps- und Trizeps-Muskeln, winden sich, treten die laue römische Frühlingsluft. Der Spannung des Kampfes vermag sich kein Zuschauer entziehen: Norris knüppelt hart, Lee umschleicht, umhüpft seinen Gegner, hechelnd, beinahe kieksend. Der gut zehnminütige Tanz der beiden Kämpfer in diesem Showdown zeigt das Können des Schauspielers Bruce Lee: Er konzentriert sich völlig auf den Kampf, jede Bewegung stimmt. So grandios Lee sich in Szene setzt, so blass wirkt das Drehbuch, das Lee schrieb. Doch wer mag ein visuelles Dickicht aus hoch artizifiellen Handlungssträngen entwirren, wenn auf der Leinwand meisterhaftes Gekloppe stattfindet?

Vier Jahre nach seinem Tod erschien der programmatisch betitelte Film Bruce Lee - Mein letzter Kampf. Der Regisseur aus Enter the Dragon, Robert Clouse, bastelte aus einer halben Stunde Originalmaterial und über einer Stunde neu gedrehter Szenen eine Plot zusammen, der die Gemüter selbst hartgesottener Lee-Fans malträtierte wie Lee seine Gegner mit Tritten und Handkantenschlägen. Bis heute sind rund ein Dutzend Filme gedreht worden, die ausschüssiges Film-Material mit dem Meister in Aktion zeigen. Der kleinwüchsige Kampfkünstler wirkt derart faszinierend, dass ein paar Original-Lufttritte von Bruce Lee einen ganzen Film rechtfertigten.

Bruce Lee starb an einer Hirnblutung, vermutlich litt er an einer unerkannten Allergie gegen ein zuvor genossenes Schmerzmittel. Viele Gerüchte ranken sich um seinen Tod, neue Nahrung bekamen sie 20 Jahre später, als Lees Sohn Brandon Lee (geboren 1965) starb; Der Bruce-Lee-Sprössling spielte die Hauptrolle im Action-Film The Crow, während der Dreharbeiten wurde der Schauspieler »aus Versehen« mit einer Requisitenpistole erschossen. Im gleichen Jahr kam die von Rob Cohen verfilmte Bruce-Lee-Biografie unter dem Titel The Bruce Lee Story in die Kinos, Hauptdarsteller Jason Scott Lee - nicht verwandt mit den Unglücksraben gleichen Namens - erlebte die Premierenfeier und ist bis heute ein gefragter Action-Schauspieler.

Peter Kusenberg

 

Bruce-Lee-Fans bastelten eine Maschine, mit der jeder seinen eigenen Bruce-Lee-Soundtrack komponieren kann: Lass das Gequatsche, kämpf endlich!




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