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»Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des anderen Sprache verstehe!« 1. Mose, 11, 7 (Medien-Motto des 21. Jahrhunderts)Wortklauber: Sprachkritische ErhellungDas fünfte Bein Moskaus |
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Auf der erst vor kurzem eingerichteten Hundeauslauffläche nördlich des Fährdamms waren zur gleichen Zeit nur vereinzelt Vierbeiner zu sehen. (aus: Hamburger Abendblatt vom 21. Dezember 2004) Von Thomas Mann, Produzent vielhundertblättriger Wälzer, stammt ein Textchen, in dem er über einen Mann und seinen Hund schreibt. Kein einziges Mal verwendet er das Wort Hund oder gar Vierbeiner, 35 Mal verwendet er ein anderes, mehr oder minder gelunges Synonym für das Tier. Der Text wird gerne in Journalistenschulensprachseminaren vorgeführt, um erstens zu zeigen, dass sich ein Autor durchaus mühen darf, wenn er einen Sachverhalt oder ein Ding beschreibt; zweitens wird gezeigt, dass eine übermäßige Anhäufung von Synonymen Zeichen prätentiöser Neurotiker sein kann. Kommen die Journalisten aus der Schule, vergessen sie das Gelernte und schreiben Vierbeiner, wenn sie einen Hund meinen. Denn glücklicherweise sind Hunde die einzigen Tiere auf Erden, die auf vier Beinen laufen, Schweine laufen auf dreien durch den Matsch, Schafe haben sechs Fortbewegungsgliedmaßen - und des Hundes Lieblingsfeind, der Katz, läuft auf fünf Beinen von Moskau nach Berlin. Ein Grund für diese freiwillige Beschränkung auf ein Grundwort (Hund) plus pointiertes, anschauliches und originelles Synonym (Vierbeiner) mag in der binären Struktur deutscher Journalistenhirne liegen. In deutschen Zeitschriften, Zeitungen und Zwischennetzmagazinen gibt es nur zwei Wörter für ein Ding: Boris Becker = Der Leimener, Kylie Minogue = sexy Kylie, Sarah Connor = die schöne Delmenhorsterin, Euge(n) Drewerma(n)(n)* = der Querdenker. Warum wird der ehemalige Tennisspieler nicht arroganter Doofkopp genannt, die australische Sängerin das Gebiss, Frau Connor die Pop-Nuß (wie in Titanic 1/2005)? So viel Namen liegen nah, so wenig wird der Verstand bemüht, wenn es um die Beschreibung des vermeintlich Immergleichen geht. Erstaunlicherweise kommen die Vierbeiner im Pressetext nur einzeln vor, bei zusammengesetzten Substantiven wird das Grundwort Hund bemüht. Dabei begrüßten die meisten Leser gewiss Vierbeinerhalter, Vierbeinerauslauffläche und Vierbeinerfeinde. Ein mutiger Journalist, immerhin, traute sich: Thomas Hillenbrand schrieb am 5. Mai 2004 auf Spiegel Online über New Yorks tödliche Gullideckel: Einige Vierbeiner-Fans haben der örtlichen Stromgesellschaft den Krieg erklärt. Herrn Hillenbrand mag ich zusätzlich dafür loben, dass er von Fans, also Fanatikern, schrieb und nicht, wie so viele andere Kollegen, von Freaks. Denn Technik-Freaks, Spiele-Freaks und Digitalfoto-Freaks sind definitiv not one of us.
Peter Kusenberg * Die eingeklammerten N-ne beziehen sich auf einen Fernseh-Witz von zirka 1992. Wer ihn kennt, möge schmunzeln, wenn ihm danach ist. Unter der Überschrift "Wortklauber" erscheinen im zweiwöchentlichen Abstand Texte über prachliche Phänomene in Zeitungen, Zeitschriften, wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Online-Publikationen. Weitere sprachkritische Textchen lesen Sie im Archiv.Ich behalte mir alle Urheberrechte vor, Verwertung meiner Texte nach Rücksprache. Auskunft: mail@peterkusenberg.de
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