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»Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des anderen Sprache verstehe!« 1. Mose, 11, 7 (Medien-Motto des 21. Jahrhunderts)

Wortklauber: Sprachkritische Erhellung

Gegensätzliches


Im Vergleich zu 2001 wurden die Ausfuhrquoten für Iran, Russland, Aserbajdschan und Kasachstan um 25 Prozent gesenkt, auf 113 Tonnen für den Jahrgang 2004. (aus: Die Zeit Nr. 48 vom November 2004)

Mal abgesehen davon, dass der Iran stets einen Artikel verlangt und seine Grammatik-Ayatollahs bei Nichtbeachtung dieser Regel mit Stockschlägen drohen: Die richtige Präposition hinter dem Vergleich lautet mit. Wer zu nimmt, verwende statt des Vergleichs einen Gegensatz. Es heißt sinnvollerweise im Vergleich mit und im Gegensatz zu. "Klugscheißer! Mittlerweile machen das doch alle so!" mag der Zeitungsleser sagen oder fauchen. Damit hätte er recht, kaum ein FAZ-, Spiegel-Online- oder TAZ-Artikel verzichtet auf die falsche Verwendung der Präposition hinter dem Vergleich. Warum nur?

Vielleicht sind beide Phrasen mittlerweile so abgenutzt und durchgewetzt, dass der erste Falsch-Schreiber mittels Verquickung beider einen Resttropfen Originalität herauspressen wollte. Vielleicht ist der alte Gangster Gedankenlosigkeit schuld, der die Schreiberfinger zwingt, irgendeinen ungedachten oder höchstens halb angedachten Kram hinzutippen. Nach einigen Jahren und mehreren Millionen falscher Fügungen sollten die Präpositionsjongleure einige Sekunden lang tief einatmen, langsam ausatmen - und eine völlig andere Fügung versuchen, etwa: verglichen mit oder gar der Aktivform ich vergleiche mit. Wer diese Verbform benutzt, wird kaum eine falsche Präposition verwenden. Zudem wird der Text dadurch entlastet von schwer bekömmlichen Substantiv-Brocken.

In halbferner Vergangenheit wurde gerne die Präposition mit nach dem Gegensatz gebraucht, etwa beim Kaliningrader Senfkocher Immanuel Kant. Diese Wendung klingt fremd in den Ohren der mit- und zu-Leute, schöner als das kakophonische Vergleich zu ist sie allemal:

Realität kann man im Gegensatze mit der Negation nur alsdenn erklären, wenn man sich eine Zeit [...] gedenkt, die entweder womit erfüllet, oder leer ist. (aus: Kritik der reinen Vernunft im Kapitel Von dem Grunde der Unterscheidung aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena und Noumena.

Neuerdings taucht eine weitere Wendung auf, die den Gegensatz ins Fremdwörtliche übersetzt: im Kontrast zu. Die Nähe zur englischen Wendung dürfte die Kontrastanten angesport haben, vielleicht steckt Bildungsdünkel dahinter. Der Kontrast ist noch ferner von der anschaulichen Darstellung als Gegensatz und Vergleich, unabhängig von der Präposition. Das Bayerische Sonntagsblatt übertitelte in seiner Ausgabe vom 26. April einen Artikel folgendermaßen: Im Kontrast zu den Strömungen der Zeit. Am Ende des Haupttextes wird die Bildung einer Kontrastgesellschaft beschworen.

Nein, bitte nicht!

Peter Kusenberg


Unter der Überschrift "Wortklauber" erscheinen im unregelmäßigen Abstand Texte über sprachliche Phänomene in Zeitungen, Zeitschriften, wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Online-Publikationen. Weitere sprachkritische Textchen lesen Sie im Archiv.

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